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Die Kapuzinerkresse und ihr möglicher Einsatz bei multiresistenten Erregern

Lesezeit: 2 Minuten

Blüten der Kapuzinerkresse in orange, dunkelorange und gelb mit grünen Blättern.

Die Kapuzinerkresse wurde 2013 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Ein Expertengremium an der Universität Würzburg vergibt diesen Titel jedes Jahr. Dabei achten die Wissenschaftler, Apotheker und Ärzte bei der Auswahl der geeigneten Pflanze auf bestimmte Kriterien. So werden Pflanzen ausgesucht, die einen interessanten historischen Hintergrund besitzen und in der Öffentlichkeit wenig bekannt sind.

Das medizinische Potential der Kapuzinerkresse entdeckten die Europäer bei den Ureinwohnern Südamerikas. Die Inkas verwendeten das Gewächs schon vor hunderten von Jahren bei Schmerzen und zur Wundheilung ein. Es wird auch heute noch in der traditionellen Medizin Südamerikas zur Behandlung verschiedener Krankheiten eingesetzt. Da die Kapuzinerkresse reich an Vitamin C ist, kommt sie beispielsweise bei Skorbut zum Einsatz.

Anwendungsgebiete in der modernen Medizin

In Europa werden heute aus der Kapuzinerkresse heute Arzneimittel für Atemwegserkrankungen und Blasenentzündungen hergestellt. Die Pflanze enthält sogenannte Glucosinolate, die durch Enzyme im Körper in Senföle umgewandelt werden. Diese Senföle hemmen nicht nur die Ausbreitung verschiedene Bakterien, Viren und Pilze sondern wirken zudem durchblutungsfördernd. Besonders interessant ist die Anwendung bei Bronchitis und Blasenentzündungen, da so auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet werden kann.

Kapuzinerkresse bei multiresistenten Erregern

Verschiedene Ursachen, wie z.B. der Missbrauch von Antibiotika, führen immer häufiger zu Antibiotikaressistenzen und so auch zu multirestistenten Erregern. Multiresistenten Keime sind eine ernstzunehmende Bedrohung. Bis zu 600.000 Patienten infizieren sich jährlich in Krankenhäusern, bis zu 15.000 Menschen sterben daran. Während der Pandemie stieg das Infektionsrisiko sogar trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zusätzlich an. Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Bekämpfung multiresistenter Keime ist deshalb ein wichtiges Forschungsgebiet. Die Pflanzenwelt bietet bei dieser Problematik großes Potential. Besonders Pflanzen mit bestimmten antimikrobiellen Wirkstoffen könnten in Zukunft bei multiresistenten Keimen eingesetzt werden. Da bereits 2010 eine Studie den möglichen Einsatz der Kapuzinerkresse bei einem Grippevirus bestätigte, ist es wahrscheinlich, dass die Pflanze auch bei anderen Viren oder Keimen eingesetzt werden kann. 

An den Universitäten wird auf diesem Gebiet schon seit längerem geforscht. Für große Pharmaunternehmen ist der Einsatz von pflanzlichen Wirkstoffen jedoch immer noch weitestgehend uninteressant. Im Gegensatz zu syntethischen Arzneimitteln ist bei pflanzlichen Arzneimitteln nicht genau bekannt, welcher Wirkstoff den entscheidenden Effekt hat.

Das erschwert die Anmeldung eines Patents.

Es bleibt zu hoffen, dass die Regierung in Zukunft die Entwicklung und Vermarktung von pflanzlichen Arzneimitteln rentabler macht und damit die Forschung auf diesem Gebiet stärkt. Viele Entdeckungen werden wegen ökonomischen Gesichtspunkten nicht weiter verfolgt. Ein interessantes Interview mit Prof. Dr. Michael Wink, ehemaliger Direktor am Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg, zu diesem Thema finden Sie hier.

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