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Färberwaid – Anwendung bei Viruserkrankungen

Lesezeit: 2 Minuten

Gelbe Blüten der Isatis tinctoria Nahaufnahme

Die Geschichte des Färberwaids (Isatis tinctoria) ist eine der interessantesten. Seine Anwendung reicht von Holzschutzmittel über biologische Farbe bis hin zu Arzneimitteln. Die Briten verwendeten den Färberwaid zu Zeiten des römischen Reiches dazu, sich die Gesichter vor der Schlacht blau zu färben.

Der Färberwaid – oder kurz Waid – wurde in Deutschland bis ins 17. Jahrhundert dazu verwendet, Kleidungsstücke blau zu färben, bis er durch die indische Indigopflanze ersetzt wurde. Bis dahin war der Handel mit dem Gewächs sehr lukrativ. Die Stadt Erfurt zum Beispiel wurde durch den Handel mit Färberwaid reich und finanzierte mit dem Gewinn den Bau der Universität Erfurt.

Wie der Herstellungsprozess ablief und woher das Sprichwort „Blaumachen“ kommt erfahren Sie hier.

Aber auch seine Heilwirkung ist schon lange bekannt. Bereits Hildegard von Bingen verwendete den Färberwaid zur Behandlung von Lähmungen. In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird der Färberwaid zur Behandlung von Viruserkrankungen sehr geschätzt.

Anwendung in der chinesischen Medizin

Der Färberwaid ist in der chinesischen Medizin fest verankert und wird dort vor allem gegen Viren eingesetzt. So kam die Pflanze auch bei der SARS-Epidemie 2003 zum Einsatz. Ban Lan Gen – wie er in China heißt – wird bereits seit 3000 Jahren als Heilmittel verwendet. In der chinesischen Medizin wird die Wurzel des Färberwaids zur Behandlung grippaler Infekte, Mumps und Masern genutzt.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Anwendung bei Dengue-Fieber. Diese Viruserkrankung wird von Moskitos übertragen und kommt hauptsächlich in tropischen Gebieten und Lateinamerika vor. Für die Krankheit gibt es bis heute weder eine Impfung, noch effektive Behandlungsmethoden.

Versuche an Mäusen legen nahe, dass der Extrakt des Färberwaids einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Erkrankung mit dem Dengue-Fieber verhindern kann. Noch muss diese Annahme in klinischen Studien am Menschen bestätigt werden.  Die Wirkung wird jedoch auf die entzündungshemmenden Eigenschaften des Färberwaids zurückgeführt.

Krebshemmende Wirkung des Färberwaids

Wie wir schon in unserem Artikel über Kapuzinerkresse erklärt haben, haben die in vielen Pflanzen enthaltenen Senföle (Glucosinolate) antibakterielle Wirkung. Die Blätter des Färberwaid enthalten einen hohen Anteil an Glucosinolat Glucobrassicin – 20 mal mehr als Brokkoli. Glucobrassicin hemmt das hormonell oder chemisch bedingte Wachstum von Krebszellen. Besonders bei Leber-, Brust-, Dickdarm- und Gebärmutterkrebs ist diese Entdeckung interessant. Bisher ist es allerdings bisher nur beim Tierversuch geblieben. Ob Färberwaid zur Krebsvorsorge eingesetzt werden kann, muss noch genauer untersucht werden.

Weitere Anwendungsgebiete des Färberwaids

Der Färberwaid kann nicht nur innerlich sondern auch äußerlich angewendet werden. So ist er häufig in kosmetischen Produkten gegen strapazierte Haut enthalten. Die Ergebnisse von Tier- und Humanstudien mit Färberwaid legen zudem einen positiven Behandlungseffekt bei Schuppenflechte nahe.
Färberwaid gibt es in Tee-Mischungen bei Halsbeschwerden (Apotheke), als alkoholische Auszüge bei Erkältungen oder auch als Creme für die Haut (z.B. von Dermasence).

Fazit

Der Färberwaid ist ein echtes Juwel unter den Heilpflanzen. Die Pflanzen wird in der traditionellen chinesischen Medizin schon seit Jahrtausenden angewendet, seine Bekanntheit im europäischen Raum ist heute eher gering. Die Ergebnisse aus verschiedenen Studien zeigen, dass der Färberwaid in Zukunft als natürliches Antibiotika und sogar bei der Krebsvorsorge eingesetzt werden könnte.

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