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Neuigkeiten rund um das Thema Pflanzenforschung

Johanniskraut – Pflanzliches Arzneimittel zwischen Tradition und Moderne

Das Echte Johanniskraut (lat. Hypericum perforatum) ist seit dem Ende des 20. Jahrhunderts eine der beliebtesten Arzneipflanzen in Deutschland. Im Jahr 2015 wurde das charakteristisch gelb blühende Wald und Wiesen-Kraut zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.

Der Schweizer Naturphilosoph und Arzt Paracelsus formulierte schon im 15. Jahrhundert die heilsame Wirkung der „Perforata“ . Die nachgesagten Wirkungen sind vielfältig und reichen von der Wundversorgung bis zur Behandlung von Entzündungen und Infektionen. Mit mehr als 5000 wissenschaftlichen Publikationen im Jahr 2020 widmen Forscher weltweit dem traditionellen Mittel auch heute noch breite Aufmerksamkeit.

Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen

Besonders interessant ist die stimmungsaufhellende Wirkung des Johanniskrauts. Spezielle Inhaltsstoffe aus dem Echten Johanniskraut sind in der Lage das Neurotransmitter-Gleichgewicht in spezifischen Gehirnregionen zu beeinflussen. Neurotransmitter übertragen Informationen zwischen den Nervenzellen im Gehirn. Nach aktuellem Wissensstand ist das Ungleichgewicht der Neurotransmitter die Ursache depressiver Erkrankungen. Dabei soll vor allem die unzureichende Wirkung der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin in den entsprechenden Hirnarealen maßgeblich an der Entstehung der Symptomatik beteiligt sein. Die Neurotransmitter-Aktivität kann durch die Behandlung mit Johanniskraut-Präparaten erhöht werden und so der depressiven Verstimmung entgegenwirken.

Johanniskraut als Alternative für ältere Menschen

Vielversprechend ist die Behandlung mit Johanniskraut besonders bei älteren Patienten. Die Behandlung von Depressionen mit gängigen synthetischen Antidepressiva ist in dieser Altersgruppe problematisch. Häufig haben ältere Patienten mit den starken Nebenwirkungen der klassischen Antidepressiva zu kämpfen. Das führt häufig dazu, dass eine zu geringe Dosis der Medikamente eingenommen wird oder die Therapie unterbrochen werden muss. Johanniskraut bietet eine alternative Möglichkeit der Therapie. Auch bei der Einnahme von Johanniskrautpräparaten kann es zu Nebenwirkungen kommen. Diese fallen im Vergleich zur chemischen Alternative jedoch deutlich milder aus.

Auch auf anderen Gebieten wurde das Potential von Johanniskraut erforscht. Auf diesem Blog haben wir bereits über die Anwendung von Johanniskrautextrakten bei Alzheimer berichtet.

Johanniskraut bei Alzheimer

Im Verlauf der Alzheimer Demenz spielen vor allem Plaques (Eiweißablagerungen) eine Rolle. Sogenannte Amyloid-β Peptide lagern sich bei zu hoher Konzentration an funktionalen Neuronen ab. Dieses Phänomen führt auf Dauer zu Beeinträchtigungen der neuronalen Funktionen. Eine Abnahme der Gedächtnisleistung, eingeschränkte Bewegungsfähigkeit und emotionale Störungen sind nur einige aus einer Vielzahl von Symptomen.

Eine krankhafte Ablagerung kommt vor allem zustande, wenn das in erhöhter Konzentration toxische Peptid unzureichend aus dem Gehirn abtransportiert wird. Dazu kommt es unter anderem, wenn die Transportmoleküle im Gehirn nicht mehr richtig arbeiten. Die Verbesserung dieser Transportmechanismen zielt folglich direkt auf die Ursache der Erkrankung ab.

Es konnte gezeigt werden, dass Inhaltsstoffe aus dem Johanniskraut genau diesen Mechanismus aktivieren und somit als ursächliche Therapie für spezifische Formen der Alzheimer Erkrankung infrage kommen. In der Kombination mit Griechischem Bergtee (lat. Sideritis scardica) tritt dieser Effekt besonders hervor. Extrakte aus Griechischem Bergtee lösen Plaque-Ablagerungen im Gehirn auf, durch die Einnahme von Johanniskrautextrakten (80 prozentiger ethanolischer Auszug) werden diese aufgelösten Ablagerungen abtransportiert.

Zudem ist eine depressive Verstimmung ein häufiges Symptom der Alzheimer Erkrankung. Die Einnahme von Johanniskrautpräparaten hat somit einen doppelten Nutzen bei Alzheimer Patienten.

Neben- und Wechselwirkungen von Johanniskraut

Wie alle Arzneien birgt auch das Johanniskraut Potenzial für Neben- und Wechselwirkungen. Bekannt ist vor allem eine durch lange, regelmäßige Einnahme des Krautes entstehende mögliche Lichtempfindlichkeit. Ursache dafür ist der im Johanniskraut enthaltene Wirkstoff Hypericin. Dieser Effekt tritt vorrangig bei hellen Hauttypen auf. Einer erhöhten Gefahr kann jedoch einfach damit umgangen werden, indem der Extrakt abends eingenommen wird. Über Nacht baut der Körper den Wirkstoff größenteils ab.

Bei Einhaltung dieser Maßnahme kann man etwaige Nebenwirkungen durch die Lichtsensibilisierung leicht umgehen. Johanniskrautpräparate zeigten zudem in verschiedenen Studien immer deutlich geringere Nebenwirkungen als synthetische Antidepressiva.

Immer wieder wird in den einschlägigen Portalen auch vor den Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten gewarnt. Das ist nur zum Teil richtig. Der Inhaltsstoff Hyperforin kann die Leberaktivität anregen und so den Stoffwechsel erhöhen. Bei spontaner Einnahme großer Mengen Hyperforin kann somit die Wirksamkeit anderer Medikamente beeinflusst werden.

Dieser Effekt kann jedoch umgangen werden. Denn der Körper passt sich über die Zeit an die veränderten Bedingungen an. So kann der Körper in der Regel „eindosiert“ werden. Das bedeutet in der ersten Woche werden z.B. 250 mg pro Tag eingenommen. In der zweiten Woche werden 500 mg pro Tag eingenommen, usw. So kann sich der Körper langsam an die Einnahme gewöhnen. Die Leberaktivität wird so auf dem üblichen Niveau gehalten.

Wenn Sie lebenswichtige Medikamente einnehmen, besonders Blutverdünner, sprechen Sie die Einnahme zusätzlicher Präparate immer vorab mit dem behandelnden Arzt ab.

Fazit

Johanniskraut ist in jedem Fall eine kraftvolle Ressource der Natur bei Depressionen und Alzheimer. Durch den aktuellen Forschungsaufwand können in Zukunft auch weitere interessante medizinische Eigenschaften bestätigt und Therapien ergänzt, oder ganz neue Anwendungen entdeckt werden.

Bezugsquellen

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